Gedenken und erinnern

Traditionell jähren sich im Herbst viele bedeutende Termine. So fand am 9. November das Gedenken an die Opfer der Reichsprogromnacht statt. Im Rahmen dessen besuchte ich erstmals den jüdischen Friedhof in Oranienburg. Mich berühren solche Erlebnisse sehr und ich muss an meine Großmutter und ihre Berichte denken. Als kleines Mädchen wuchs sie in der Kriegszeit in Gransee auf. Sie erlebte mit, wie jüdische Mitbürger in aller Öffentlichkeit verfolgt und gedemütigt wurden. So berichtete sie, wie sie als ca 6-Jährige mit ansah, wie jüdische Bürger aus ihrer Wohnung verschleppt und ihr Hab und Gut auf die Straße geworfen sowie angezündet wurde. Besonders traumatisch beschrieb sie den Besuch einer Freundin in der Nähe des damaligen Konzentrationslagers Ravensbrück. Deren Vater arbeitete dort und verbot den Kindern, dem KZ zu nahe zu kommen. Trotzdem ahnten die Mädchen, was dort geschah und so versetzte es meine Großmutter in Angst, auch verschleppt zu werden. Auch die Bombenalarme verschreckten sie. So lief sie bei jedem Alarm trotz Verbot heimlich nach Hause zu ihrer Mutter, anstatt in der Schule zu bleiben.

Um so glücklicher bin ich heute, dass es in Oranienburg wieder eine jüdische Gemeinde gibt, die auch zum kulturellen Leben beiträgt. Trotzdem befängt mich bei jedem Sirenentest am Samstagmorgen in der Stadt ein beklemmendes Gefühl und ich muss an die Geschichten meiner Großmutter denken.

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