Warum ich mich nicht verbiege

Politik ist ein hartes Geschäft. Man muss um Mehrheiten kämpfen, viel Überzeugungsarbeit leisten und vor allem: Sich selbst dabei nicht verbiegen. Das ist das für mich wichtigste Credo: Bleibe dir selbst treu.

Ich habe schon einige Stationen in der Politik hinter mir: Bundestag, Landtag, Ministerium und zuletzt Kommunalpolitik. Auf allen Ebenen gibt es Auseinandersetzungen – sei es mit Kollegen, Interessensgruppen oder Lobbyisten. Das ist ein natürlicher Prozess – denn vor allem die Betroffenen von politischen Entscheidungen sollte man anhören und einbeziehen. Wichtig ist der Austausch und die Diskussion. Dabei kann man – und so ist es mir auch schon ergangen – durchaus zu anderen Ergebnissen kommen, als ursprünglich gedacht. Davor darf man sich nicht verschließen: Auch als mögliche künftige Bürgermeisterin ist es mir wichtig, für Sie immer ein offenes Ohr zu haben, kompromissbereit zu sein und vor allem die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen.

Ich muss aber auch sagen und das mag der ein oder andere naiv finden: Ich bin ein stückweit Idealistin.
Mir ist Geradlinigkeit wichtig. Ich möchte meine Ziele erreichen, ohne mich verbiegen zu müssen. Das wäre für mich Selbstverrat. Zudem schätze ich Offenheit und Ehrlichkeit. Ich pflege immer zu sagen: „Lieber habe ich ein Messer im Bauch, als im Rücken.“ Ob das manchmal weh tut? Na klar! Ich erinnere mich oft daran zurück, als in Oranienburg Süd 2 mittelgroße Windenergieanlagen an der neuen B96 geplant waren. Hier gab es intensive, teilweise hochemotionale Auseinandersetzungen. Ich war der Ansicht: Warum nicht? An einer Kraftfahrstraße, wo ohnehin Autos mit 120 Km/h langdonnern, ein Gewerbegebiet samt Asphaltmischanlage steht und die nächste Wohnbebauung knapp 1km entfernt liegt… ich empfand das nicht als „Verschandelung der Natur“. Die Idee, solche Anlagen in Wälder zu stellen, missfiel mir eher. Die Diskussionen dazu verliefen nicht immer sachlich, teilweise sogar populistisch. Das ist nicht mein Stil und als Bürgermeisterin muss man manchmal auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Das Rückgrat dafür habe ich.

Wie die Geschichte zu den Windenergieanlagen ausging? Sie kamen nicht nach Oranienburg Süd. Das ist okay – immerhin muss man auf die Bedürfnisse der Anwohner Rücksicht nehmen. Schlussendlich ist der Schlüssel allen Erfolgs miteinander reden – aber bitte immer in gegenseitigem Respekt. Niemand muss in der Politik sein Gesicht verlieren – weder Sie, noch ich.

Ihre
Jennifer Collin

Folge und