Wirtschaftspolitik braucht Ziele

Oranienburg ist im Wandel. Grund dafür ist vor allem das starke Wachstum. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur, sondern auch auf die sozialpolitische Landschaft und Wirtschaft.

Letzte Woche lud die Wirtschaft zu einer Podiumsdiskussion in das Oranienwerk ein. Veranstalter waren die von mir mit großem Respekt betrachteten Wirtschaftsjunioren – eine Vereinigung von jungen UnternehmerInnen in Oberhavel, die sich wirtschaftspolitisch einbringen. Und damit wären wir beim Thema: Die Veranstaltung war toll organisiert. Es wurden viele Fragen zu Oranienburgs Wirtschaft gestellt. Antworten möchte ich an dieser Stelle nochmal ausführlicher geben.

Was ist aus meiner Sicht eine gute Wirtschaftspolitik?
Ganz klar, ein guter Mix aus Bestandspflege und erfolgreicher Ansiedlungspolitik.

Dabei ist es wichtig, sich wirtschaftspolitische Ziele zu setzen und nicht nur, wie es einer meiner Konkurrenten sagte, betriebswirtschaftlich zu denken und Bilanzen verstehen zu können. Wenn wir uns an wirtschaftspolitischen Instrumenten bedienen, müssen wir auch genau vor Augen haben, wofür. Denn: unterschiedliche Instrumente haben unterschiedliche Wirkungen. Da genügt es nicht, nur Verwaltungserfahrung vorzuweisen und „Bilanzen verstehen zu können“. Ich möchte Sie als Leserinnen und Leser jetzt nicht mit „langweiligen“ Fachvorträgen à la „Fiskal – und Geldpolitik“ etc. langweilen. Ich will nur sagen: Eine Bürgermeisterin muss bei der kommunalen Wirtschaftsförderung nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem POLITISCH denken. Es braucht an genauen Zielvorstellungen und Perspektiven.

Viel Potenzial sehe ich da in den Wirtschaftsclustern „Biotechnologie und Life Science sowie Tourismus“. Gerade letzteres ist ein wichtiges und wachsendes Pfund in unserer Region. Die Gründung einer städtischen Holding darf daher unsere Tourismusbranche nicht schwächen.

Um weitere Gewerbeflächen zu erschließen, müssen wir vor allem erstmal mit der Bombensuche einen weiten Sprung nach vorne machen. Ich bin hier in engem Kontakt mit der Landesebene und verspreche mir Erleichterungen. Austausch ist wichtig.
Ich denke außerdem: Warum nicht aus unser „Schwäche“ eine Stärke machen und ein Kompetenzzentrum zum Kampfmittelbeseitigung gründen? Das gäbe eine ganz neue Dynamik in dem Themenfeld.

Der Einzelhandel in unserer Stadt hat es bekanntermaßen nicht einfach. Nur 27 Prozent unserer Kaufkraft bleibt vor Ort, ca. ¼ der Ladengeschäfte stehen leer – ganz geschweige von den mehreren kleinen Einkaufscentern. Hier helfen aus meiner Sicht nicht nur kleine Instrumente der Wirtschaftsförderung (z.B. ASZ / Aktive Stadtzentren), sondern muss radikaler gedacht werden. Wenn wir die Verweildauer in der Innenstadt erhöhen wollen, braucht es nicht längere (kostenfreie) Parkzeiten, sondern in erster Linie eine attraktivere Innenstadt. Städte wie Neuruppin, Brandenburg/H. und Potsdam machen es uns vor: Hier gibt es wunderbare Einkaufsstraßen, durch die sich die Massen schieben. Wir sollten über bauliche Veränderungen nachdenken – auch im Hinblick auf den Verkehr und Tempo 30.

Ihre
Jennifer Collin

Collin bei den Wirtschaftsjunioren Oberhavel
Collin bei den Wirtschaftsjunioren Oberhavel
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