Keine falschen Versprechen

Politik hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Seit Jahren nimmt die Politikverdrossenheit zu und die Wahlbeteiligung ab. Hinzu kommen solche Parteien wie die „Alternative für Deutschland“, die versuchen, anerkannte Parteien zu dekonstruieren. Sie tun so, als seien sie für den „kleinen Mann“ da und kämpfen vermeintlich gegen das „Establishment“ – dabei gehören sie selbst dazu. Wer sich die Führungsriege der AFD anguckt, der wird feststellen, dass dort zumeist sehr gut situierte Menschen, oftmals noch mit Doktortitel und gut gefülltem Bankkonto vertreten sind. Wenn man sich das Wahlprogramm durchliest, wird noch stärker klar, dass die AFD alles andere als für den „kleinen Mann“ da ist. Aber das wird in der Öffentlichkeit leider nicht deutlich genug, da sie mit einfachen Parolen und populistischen Äußerungen arbeitet.

Aber warum hat sie dennoch in der Vergangenheit an Kraft gewonnen? Ich glaube, dass es damit etwas zu tun hat, dass viele vor dem sozialen Abstieg Angst haben und manche Politiker wenig authentisch sind. Diese Angst müssen wir den Menschen nehmen.

Wir müssen ihnen offen gegenüber treten und klar machen, wohin die Reise mit uns geht.

Aus diesem Grund habe ich auch über ein Jahr lang an der Erarbeitung meines Wahlprogramms gearbeitet und dabei viele Menschen eingebunden. Mehr als 15.000 Karten habe ich verteilt, um die Bürger zu befragen „Was ist eure beste Idee für Oranienburg?“. Aus den Ergebnissen ist die Broschüre „Unsere Projekte für Oranienburg“ entstanden.

Einige meiner Konkurrenten kritisieren mein Wahlprogramm, was sie aber auch dürfen. Manch anderer warnt sogar davor, überhaupt ein Wahlprogramm aufzustellen und schießt derweil lieber auf andere. Davon bin ich kein großer Freund, denn wie ich über andere Menschen – auch Konkurrenten – rede, sagt etwas über mich aus. Auch halte ich es für wichtig, den Menschen Orientierung zu geben und aufzuzeigen, in welche Richtung es mit mir als Bürgermeisterin geht. Wir brauchen keinen Stillstand in Oranienburg. Man stelle sich mal nur vor, Hans-Joachim Laesicke hätte einfach nur abgewartet und alles auf sich zukommen lassen – dann gäbe es heute keine sanierte Altstadt und die LAGA wäre nie gekommen. Gerade in einer sich immer schneller verändernden Welt mit Abstiegsängsten ist es aus meiner Sicht daher wichtig, einen Plan zu haben. Dabei muss man zu seinen Zielen stehen und auch mal Gegenwind aushalten.

Falsche Versprechen wird es mit mir nicht geben.

Mir ist dabei im Klaren, dass ich mit meinen Projektideen für Oranienburg scheitern kann, denn die wahren Entscheider in dieser Stadt sind die Stadtverordneten. Wenn die Zusammenarbeit mit ihnen schlecht ist und sie all meine Vorhaben blockieren, werden nur wenige meiner Ideen eine Chance haben. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir zu einer produktiven Zusammenarbeit kommen werden. Eines meiner ersten Amtshandlungen wäre nach einer gewonnen Wahl daher, Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden zu suchen. Zur Finanzierung meiner Projektideen kann ich sagen, dass einige Vorhaben gar nichts oder nur wenig kosten, z.B. ein runder Tisch für Sicherheit oder ein(e) Integrationsbeauftragte(r) für Oranienburg. Um andere Projekte wie mehr Mülleimer oder den Ausbau der 200 Km unbefestigten Straßen zu finanzieren, sollten wir den Stadthaushalt durch ein qualitätsorientieres Verfahren überprüfen. Der Haushalt sollte nicht nur über die Zahlen definiert werden.

Er muss für alle Bürgerinnen und Bürger gut lesbar sein und mit Hilfe von Kennzahlen die Leistungen der Stadt genauer erklären. Nur so können wir Einspar- und Optimierungspotenziale aufdecken.

Zu den Ortsteilen

Oranienburg hat 8 Ortsteile: Lehnitz, Germendorf, Friedrichsthal, Malz, Sachsenhausen, Schmachtenhagen, Zehlendorf und Wensickendorf. Als kleines Mädchen verbrachte ich viel Zeit in Sachsenhausen an der schnellen Havel. Ich war mir damals gar nicht bewusst, dass Sachsenhausen einst einmal nicht zu Oranienburg gehörte und ein separater Stadtteil mit eigenem Ortsbeirat ist. Im Jahre 2003 kamen mit der Gemeindegebietsreform die anderen Ortsteile hinzu. Seither sind wir formell eine Stadt – aber zusammenwachsen müssen wir noch ein ganzes Stück. Das spüre ich immer wieder. Ein Schlüsselerlebnis dazu hatte ich beim Orangefest, als ich die Besucher meines Infostandes fragte, woher sie denn kämen. Viele Germendorfer, Schmachtenhagener oder Lehnitzer vereinten oft die Frage, ob sie aus Oranienburg kämen und nannten ihren Ortsteil. Das hat mich zugegebenermaßen etwas bestürzt – denn immerhin sind wir eine Stadt und gehören zusammen.

Jeder Ortsteil ist im Laufe der Jahrhunderte gewachsen und hat seine individuellen Bedürfnisse. Sie dürfen nicht vergessen werden. Seit der Gemeindereform fühlen sich viele Ortsteile abgehängt. Das muss sich ändern. Ich möchte daher die Ortsteile stärken und ihnen Möglichkeiten zur eigenen Entwicklung geben.

Damit wir uns als eine Stadt verstehen – mit all ihren Ortsteilen plane ich:

  1. Zusammen mit der Bürgerschaft unser Stadtleitbild überarbeiten. Die Ortsteile sollen darin einen großen Platz einnehmen, denn sie sind Teil unserer Gemeinschaft.
  2. Das „Integrierte Stadtenwicklungskonzept“, kurz INSEK muss zugunsten der Ortsteile überarbeitet werden. Es beinhaltet die Entwicklungsstrategie und den Zukunftsplan für unsere Stadt. INEK ist zudem die Grundlage für viele Fördermittel, die die Stadt einwirbt. Aber ich sage auch: Das alte Credo „Innenbereich vor außen“ ist nicht mehr zeitgemäß. Die Ortsteile und die Kernstadt müssen sich stärker miteinander verflechten – gerade auch vor dem Hintergrund des Wachstums der Stadt.
  3. „Gemeinschaftliche Begegnungsräume schaffen“ heißt es in meinem Programm. Dahinter verbirgt sich, die Dorfclubs und Gemeindezentren zu erhalten, zu verschönern oder zu verbessern. Die Ortsteile brauchen Treffpunkte, um die Dorfkultur zu fördern. Zudem braucht es in allen Ortsteilen Spielplätze.
  4. Öffentlicher Personennahverkehr: Eine Stadtbuslinie sollte nicht nur in der Kernstadt unterwegs sein. Wenn Stadtbus – dann in ganz Oranienburg. Um Lücken im ÖPNV zu schließen, schlage ich einen Bürgerbus vor. Dieser fährt innerhalb des VBB auf festgelegten Routen und mit einem regelmäßigen Fahrplan.
  5. Angebote der sozialen Infrastruktur sollten zwischen den Ortsteilen und der Kernstadt stärker miteinander verflochten werden. Da wo es möglich ist, sollten weitere Baugrundstsücke ausgewiesen werden.
  6. Das Dorfleben lebt von dem Engagement der Menschen. Das gilt es zu stärken. So stehe ich z.B. dafür, die Feuerwehren in den Ortsteilen stärker bei der Nachwuchsgewinnung zu unterstützen und deren Arbeitsmöglichkeiten zu verbessern.
  7. „Grüne Lunge – Blaue Seen“ ist ein weiterer Punkt meines Programms, der ganz besonders die Ortsteile betrifft. Denke ich z.B. an die Bäke und den Grabowsee, müssen wir unbedingt eine weitere Austrocknung der Gewässer verhindern. Auch künftige Generationen sollen die schöne Natur in und um Oranienburg genießen können.

Mit diesem Punkt will ich meinen Beitrag zum Thema „Ortsteile“ abschließen. Sie sehen: Die Ortsteile verstecken sich an vielen Stellen in meinem Programm. Wenn da „Oranienburg“ steht heißt es immer für mich: „Inklusive der Ortsteile“.

P.S. Ich bin übrigens ein großer Freund eines eigenen Ortsteilbudgets. Leider gibt es die Kommunalverfassung nicht her. Es gibt aber anderweitige Möglichkeiten. Ein gutes Beispiel dafür ist Storkow, das eine Art „fiktives Ortsteilbudget“ eingeführt hat.

Ihre
Jennifer Collin

Wirtschaftspolitik braucht Ziele

Oranienburg ist im Wandel. Grund dafür ist vor allem das starke Wachstum. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur, sondern auch auf die sozialpolitische Landschaft und Wirtschaft.

Letzte Woche lud die Wirtschaft zu einer Podiumsdiskussion in das Oranienwerk ein. Veranstalter waren die von mir mit großem Respekt betrachteten Wirtschaftsjunioren – eine Vereinigung von jungen UnternehmerInnen in Oberhavel, die sich wirtschaftspolitisch einbringen. Und damit wären wir beim Thema: Die Veranstaltung war toll organisiert. Es wurden viele Fragen zu Oranienburgs Wirtschaft gestellt. Antworten möchte ich an dieser Stelle nochmal ausführlicher geben.

Was ist aus meiner Sicht eine gute Wirtschaftspolitik?
Ganz klar, ein guter Mix aus Bestandspflege und erfolgreicher Ansiedlungspolitik.

Dabei ist es wichtig, sich wirtschaftspolitische Ziele zu setzen und nicht nur, wie es einer meiner Konkurrenten sagte, betriebswirtschaftlich zu denken und Bilanzen verstehen zu können. Wenn wir uns an wirtschaftspolitischen Instrumenten bedienen, müssen wir auch genau vor Augen haben, wofür. Denn: unterschiedliche Instrumente haben unterschiedliche Wirkungen. Da genügt es nicht, nur Verwaltungserfahrung vorzuweisen und „Bilanzen verstehen zu können“. Ich möchte Sie als Leserinnen und Leser jetzt nicht mit „langweiligen“ Fachvorträgen à la „Fiskal – und Geldpolitik“ etc. langweilen. Ich will nur sagen: Eine Bürgermeisterin muss bei der kommunalen Wirtschaftsförderung nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem POLITISCH denken. Es braucht an genauen Zielvorstellungen und Perspektiven.

Viel Potenzial sehe ich da in den Wirtschaftsclustern „Biotechnologie und Life Science sowie Tourismus“. Gerade letzteres ist ein wichtiges und wachsendes Pfund in unserer Region. Die Gründung einer städtischen Holding darf daher unsere Tourismusbranche nicht schwächen.

Um weitere Gewerbeflächen zu erschließen, müssen wir vor allem erstmal mit der Bombensuche einen weiten Sprung nach vorne machen. Ich bin hier in engem Kontakt mit der Landesebene und verspreche mir Erleichterungen. Austausch ist wichtig.
Ich denke außerdem: Warum nicht aus unser „Schwäche“ eine Stärke machen und ein Kompetenzzentrum zum Kampfmittelbeseitigung gründen? Das gäbe eine ganz neue Dynamik in dem Themenfeld.

Der Einzelhandel in unserer Stadt hat es bekanntermaßen nicht einfach. Nur 27 Prozent unserer Kaufkraft bleibt vor Ort, ca. ¼ der Ladengeschäfte stehen leer – ganz geschweige von den mehreren kleinen Einkaufscentern. Hier helfen aus meiner Sicht nicht nur kleine Instrumente der Wirtschaftsförderung (z.B. ASZ / Aktive Stadtzentren), sondern muss radikaler gedacht werden. Wenn wir die Verweildauer in der Innenstadt erhöhen wollen, braucht es nicht längere (kostenfreie) Parkzeiten, sondern in erster Linie eine attraktivere Innenstadt. Städte wie Neuruppin, Brandenburg/H. und Potsdam machen es uns vor: Hier gibt es wunderbare Einkaufsstraßen, durch die sich die Massen schieben. Wir sollten über bauliche Veränderungen nachdenken – auch im Hinblick auf den Verkehr und Tempo 30.

Ihre
Jennifer Collin

Collin bei den Wirtschaftsjunioren Oberhavel
Collin bei den Wirtschaftsjunioren Oberhavel

Altersgerechtes Wohnen

Wir werden älter – das gilt nicht nur für jeden Einzelnen, sondern für unsere gesamte Gesellschaft. Nehmen wir das Beispiel Oranienburg: Hier leben ca. 10.000 Menschen, die älter sind als 65 Jahre. In 10 Jahren wird ihr Anteil auf ca. 14.000 steigen. Was bedeutet das für unsere Stadt? Wir müssen uns an die Bedürfnisse älterer Menschen besser anpassen. Am Wichtigsten ist dabei für viele das „altersgerechte Wohnen“. Wenn man Glück hat, ergeht es eine wie meiner eigenen Urgroßmutter: Sie wurde stolze 92 Jahre alt und konnte bis zu ihrem Tod in ihrer Wohnung verbleiben. Für die medizinische Versorgung kam ein täglicher Dienst, das Mittagessen wurde nach Hause geliefert und die Wohnung den Bedürfnissen angepasst.

So wollen es die Meisten auch regeln. Das hat sich vergangene Mittwoch auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum altersgerechten Wohnen im Berliner Umland ganz klar herausgestellt. Bei der Veranstaltung ging es um verschiedene Wohnformen im Alter und deren technische Umsetzung. Viele gute Referenten waren vor Ort, u.a. die Landtagsabgeordneten Sylvia Lehmann und Björn Lüttmann sowie Gerogina Schwettge vom Seniorenbeirat und Bernd Jarczewski von der WOBA Oranienburg.

Für mich ist seit dieser Veranstaltung eines klar: Ich muss mich schon jetzt damit auseinandersetzen, wie ich im Alter leben möchte. Mein Wunschtraum wäre ein Mehrgenerations-Wohnen – nicht zwingend in einem Haus, aber gerne auf einem gemeinsamen Grundstück oder in direkter Nachbarschaft. Schließlich muss man auch mal die Tür hinter sich verschließen und seine Ruhe haben können. Aber dennoch finde ich es sehr wichtig, füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen.

Ich gebe zu, im Alter von 18 Jahren wäre das kein Wohnmodell gewesen, das für mich in Frage kommt. Heute, da ich selbst Kinder habe, sehe ich das anders.  Dazu gehört es natürlich auch, dass das Wohnumfeld attraktiv ist. Oranienburg hat in dieser Hinsicht viel zu bieten: Gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, die täglichen Einkäufe kann man zu Fuß erledigen, es gibt ambulante Dienste und Ärzte n der Nähe. Zudem hat die Stadt einige soziale sowie kulturelle Treffpunkte.  Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Oranienburg weiterhin attraktiv für alle Altersgruppen bleibt und die Wachstumsschmerzen gut verkraftet. Wie das gehen kann, haben wir auf der zuvor genannten Veranstaltung vielfach diskutiert. Viele Anregungen nehme ich mit und die ein oder andere werden wir bestimmt umsetzen.

Ihre
Jennifer Collin

Besuch Enschede #Holländisches Viertel
Besuch Enschede #Holländisches Viertel

Oranienburg erleben – vom Drahtesel aus!

In diesen Tagen merkt man es wahrlich: Bald kommt der Sommer. Eine wunderbare Jahreszeit, um Oranienburg zu erleben. Man hat die Möglichkeit, viel Zeit am Wasser zu verbringen und zahlreiche Veranstaltungen zu erleben. Aus diesem Grunde habe ich mir als Wahlkampfmobil ein Fahrrad zugelegt, mit welchem ich dann in Oranienburg unterwegs bin. Heute habe ich es vorgestellt. Ich liebe es, mit dem Fahrrad durch die Stadt und seine Ortsteile zu fahren. Das habe ich früher oft mit meiner – inzwischen verstorbenen – Großmutter getan. Zudem möchte ich damit die Tradition des „fahrradfahrenden Bürgermeisters“, der nah bei den Menschen und jederzeit ansprechbar ist, fortführen. Letztendlich ist Oranienburg aber aus meiner Sicht eine Fahrradstadt. Dem müssen wir uns mehr und mehr bewusst sein. Daher ist es besonders wichtig, unsere Radwege in Stand zu halten und auszubauen.

In diesen Tagen war der Presse zu entnehmen, dass der Radweg Germendorf-Schwante wieder auf die lange Bahn geschoben werden soll. Die Emotionen sind hochgekocht und mancher wurde beschimpft. Ich finde, hier sollten wir eher an einem Strang ziehen, die tatsächliche Faktenlage erst einmal prüfen und weiter den Druck aufrecht erhalten. Mit meinem neuen „Collin-Mobil“ werde ich diese Strecke sicherlich demnächst testen und mir ein eigenes Bild verschaffen. In diesem Sinne: Bis demnächst und schöne Grüße!

Ihre
Jennifer Collin

Collin mit Fahrrad (“Collin-Mobil”) vorm Schloß

Warum ich mich nicht verbiege

Politik ist ein hartes Geschäft. Man muss um Mehrheiten kämpfen, viel Überzeugungsarbeit leisten und vor allem: Sich selbst dabei nicht verbiegen. Das ist das für mich wichtigste Credo: Bleibe dir selbst treu.

Ich habe schon einige Stationen in der Politik hinter mir: Bundestag, Landtag, Ministerium und zuletzt Kommunalpolitik. Auf allen Ebenen gibt es Auseinandersetzungen – sei es mit Kollegen, Interessensgruppen oder Lobbyisten. Das ist ein natürlicher Prozess – denn vor allem die Betroffenen von politischen Entscheidungen sollte man anhören und einbeziehen. Wichtig ist der Austausch und die Diskussion. Dabei kann man – und so ist es mir auch schon ergangen – durchaus zu anderen Ergebnissen kommen, als ursprünglich gedacht. Davor darf man sich nicht verschließen: Auch als mögliche künftige Bürgermeisterin ist es mir wichtig, für Sie immer ein offenes Ohr zu haben, kompromissbereit zu sein und vor allem die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen.

Ich muss aber auch sagen und das mag der ein oder andere naiv finden: Ich bin ein stückweit Idealistin.
Mir ist Geradlinigkeit wichtig. Ich möchte meine Ziele erreichen, ohne mich verbiegen zu müssen. Das wäre für mich Selbstverrat. Zudem schätze ich Offenheit und Ehrlichkeit. Ich pflege immer zu sagen: „Lieber habe ich ein Messer im Bauch, als im Rücken.“ Ob das manchmal weh tut? Na klar! Ich erinnere mich oft daran zurück, als in Oranienburg Süd 2 mittelgroße Windenergieanlagen an der neuen B96 geplant waren. Hier gab es intensive, teilweise hochemotionale Auseinandersetzungen. Ich war der Ansicht: Warum nicht? An einer Kraftfahrstraße, wo ohnehin Autos mit 120 Km/h langdonnern, ein Gewerbegebiet samt Asphaltmischanlage steht und die nächste Wohnbebauung knapp 1km entfernt liegt… ich empfand das nicht als „Verschandelung der Natur“. Die Idee, solche Anlagen in Wälder zu stellen, missfiel mir eher. Die Diskussionen dazu verliefen nicht immer sachlich, teilweise sogar populistisch. Das ist nicht mein Stil und als Bürgermeisterin muss man manchmal auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Das Rückgrat dafür habe ich.

Wie die Geschichte zu den Windenergieanlagen ausging? Sie kamen nicht nach Oranienburg Süd. Das ist okay – immerhin muss man auf die Bedürfnisse der Anwohner Rücksicht nehmen. Schlussendlich ist der Schlüssel allen Erfolgs miteinander reden – aber bitte immer in gegenseitigem Respekt. Niemand muss in der Politik sein Gesicht verlieren – weder Sie, noch ich.

Ihre
Jennifer Collin

Plädoyer gegen Hass und für Toleranz

Am Wochenende hat es einen Brandanschlag auf eine Unterkunft von Asylsuchenden in Kremmen gegeben. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, aber die Angst ist und bleibt groß. Der Staatsschutz prüft derzeit, ob ein fremdenfeindlicher Hintergrund vorliegt.  Mich bestürzt diese Tat und ich verurteile sie aufs Schärfste – egal ob sie rechtsextremistisch motiviert war oder nicht. In jedem Fall war sie menschenfeindlich, widerlich und feige. Es ist mir schier unbegreiflich, wie man Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind – die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um hier Schutz zu finden – auch noch auf so niederträchtige Weise bedroht.  Ein friedliches und tolerantes Miteinander ist mir wichtig.

Ich bin froh, dass Oranienburg auch in seiner politischen Kultur in den letzten Jahren voran gekommen und als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet ist. Darauf können wir uns aber nicht ausruhen. Demokratie und Toleranz sind Werte, die jeden Tag verteidigt werden müssen. Das ist mir ein Anliegen, das mir schon seit meiner Jugend sehr am Herzen liegt. Als Schülerin habe ich am Runge-Gymnasium dazu beigetragen, dass es den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhält. Ich habe in einer „AG gegen rechts“ mitgewirkt und die damals jährlich stattfindende Antirassismusdemonstration besucht. Zudem bin ich ausgebildeter „Peer Leader für demokratische Bildung und interkulturelle Kompetenz“. Noch heute unterstütze ich die Arbeit des Forums gegen Rassismus – wenn ich auch aktuell nicht immer an dessen Sitzungen teilnehmen kann.

Aber dennoch will ich festhalten: Oranienburg ist eine multikulturelle Stadt. Gewalt, Hass und Rassismus haben hier keinen Platz. Dafür werde ich mich auch als Ihre Bürgermeisterin einsetzen.

Ihre
Jennifer Collin

Ostergruß

Frohe Ostern wünscht Ihnen Jennifer Collin. 🙂

(…) Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge durch die Gärten und Felder zerschlägt, wie der Fluss in Breit und Länge so manchen lustigen Nachen bewegt, und, bis zum Sinken überladen, entfernt sich dieser letzte Kahn. Selbst von des Berges ferner Pfaden blinken uns farbige Kleider an. Ich höre schon des Dorfs Getümmel. Hier ist des Volkes wahrer Himmel. Zufrieden jauchzet gross und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Auszug Osterspaziergang, Faust I, Johann Wolfgang von Goethe)

Über Gerechtigkeit

Jeder Mensch hat ein bestimmtes Verständnis von Gerechtigkeit – so auch ich.

Für mich hat das etwas mit Fairness, Teilhabe und Chancengleichheit zu tun. Ich würde von mir selbst sagen, dass ich ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl habe. Schon als Kind war ich sehr betroffen, wenn ich den Eindruck hatte, dass jemand ungerecht behandelt wurde. Mehr noch: Ich wurde aktiv – als Schülersprecherin, Mitglied der Schülerzeitungsredaktion oder Aktive gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Noch heute verspüre ich diesen Gerechtigkeitsdrang. Er hat stark dazu beigetragen, dass ich mich um das Amt als Bürgermeisterin bewerbe.

Für mich sind die universell geltenden Menschenrechte das höchste Gut – egal ob man jung oder alt, reich oder arm, Mann, Frau oder Transgender, religiös oder Atheist, behindert oder nichtbehindert, homo-bi- oder heterosexuell, oder was auch immer ist. Ich bin ein Mensch, der versucht, sich seiner Vorurteile bewusst zu sein und diese abzuschütteln; der versucht, sich seine Fehler einzugestehen und daraus zu lernen sowie immer mit offenem Herzen durch die Welt geht. Ich suche zwischen den Menschen eher nach Gemeinsamkeiten, als nach Unterschieden. Daher ist mir Gerechtigkeit und Chancengleichheit sehr wichtig. Deshalb bin ich in die SPD eingetreten und deshalb werde ich mich in Oranienburg als Bürgermeisterin für die (politische und soziale) Teilhabe aller Menschen einsetzen.

Heute habe ich mich mit der Arbeitsgemeinschaft „Selbst Aktiv“ der SPD getroffen. Bei unserem Gespräch ging es um die Belange von Menschen mit Behinderung. Dabei wurde ich in dem Standpunkt bestärkt:
Wir müssen in Oranienburg die UN-Behindertenrechtskonvention konsequent umsetzen. Wenn wir alle ein gemeinschaftliches Konzept leben wollen, darf Inklusion nicht in der Schule halt machen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass niemand in Oranienburg benachteiligt wird. Dazu gehört für mich auch eine unabhängige Beratungsstelle für soziale Fragen.

Ihre
Jennifer Collin